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Was Journalisten sollen – und wollen

Was Journalisten sollen – und wollen

Die Beziehung zwischen Journalismus und Publikum hat sich durch den Medienwandel verändert: Das Mediennutzungsverhalten wandelt sich, es wird mehr Transparenz und eine stärkere Partizipations- und Dialogorientierung vom Journalismus gefordert. In Teilen der Bevölkerung schwindet das Vertrauen auch in Qualitätsmedien, ihre Medienberichterstattung wird kritisiert bis hin zum Vorwurf „Lügenpresse”. Auch rückläufige Abonnementzahlen von Tageszeitungen und die gering ausgeprägte Zahlungsbereitschaft für Online-Journalismus sind Indikatoren dafür, dass der Journalismus oft nicht den Erwartungen seiner Nutzer*innen entspricht.

Es ist allerdings wenig darüber bekannt, welche Erwartungen die Bevölkerung genau an Journalismus hat. Noch viel weniger wissen wir darüber, wie sich Publikumserwartungen an journalistische Leistungen zu dem verhalten, was Journalist*innen selbst als ihre professionelle Aufgabe, ihr Rollenselbstbild betrachten. Das heißt auch, dass wir praktisch kaum etwas darüber wissen, wie weit die Auffassungen von gutem, von Qualitätsjournalismus auf beiden Seiten auseinanderliegen.

Ziel der geplanten Befragung ist es daher, erstmals repräsentativ die Erwartungen der Bevölkerung an den Journalismus zu erheben, um diese anschließend mit bereits vorliegenden Daten zum journalistischen Rollenselbstbild abzugleichen, die in einer repräsentativen Befragung von Journalist*innen erhoben wurden. Die Befunde werden ein profundes Bild davon liefern, welche unterschiedlichen Aufgaben Journalist*innen aus Sicht des Publikums erfüllen sollten und für wie wichtig diese im Einzelnen erachtet werden. Der Abgleich der Befunde auf Publikums- und Journalismus-Seite wird außerdem darüber Aufschluss geben, wie weit die jeweiligen Auffassungen auseinanderliegen, also zeigen, was Journalist*innen sollen und wollen.

Photo by Juan Carlos on Unsplash
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Projektbeschreibung

Konkretisierung der Fragestellung

Mit der geplanten Studie sollen die folgenden Fragen beantwortet werden:
  • Welche Leistungen erwarten die Bürger*innen vom Journalismus?
  • Wie priorisieren sie diese unterschiedlichen Leistungen, d. h. worauf sollten Journalist*innen in ihrer Arbeit aus Sicht der Bevölkerung mehr und worauf weniger Wert legen?
  • Welche Unterschiede zeigen sich hierbei zwischen verschiedenen Gruppen der Bevölkerung?
  • In welchem Verhältnis stehen hierbei klassische journalistische Aufgaben wie „neutral informieren” zu neueren wie etwa „mit dem Publikum in einen Dialog treten”?
  • Und welche (In-)Kongruenzen zeigen sich im Einzelnen bei welchen journalistischen Leistungen zwischen dem, was das Publikum erwartet, und dem, was Journalist*innen selbst als ihre professionelle Aufgabe betrachten?
Für die geplante Studie können wir auf zahlreiche einschlägige Vorarbeiten zurückgreifen, die in dem von der DFG geförderten Projekt „Die (Wieder-)Entdeckung des Publikums: Journalismus unter den Bedingungen von Web 2.0” entstanden sind. Hier zeigten etwa so unterschiedliche Publika wie die der Tagesschau, eines ARD-Polittalk, der Süddeutschen Zeitung und des Freitag durchgängig höhere Ansprüche in puncto redaktionelle Transparenz, Partizipation und Dialog, als es die jeweiligen Redaktionen erwarteten.

Vorgehen bei der Untersuchung

Dem Ziel der Untersuchung entsprechend sollen die Erwartungen des Publikums an den Journalismus in einer für in Deutschland lebende Erwachsene repräsentativen Umfrage erhoben werden.
Um einer Überrepräsentanz besonders technik-affiner und partizipationsfreudiger Bürger*innen vorzubeugen, soll die Befragung nicht online, sondern als Computer-Assisted Telephone Interviews (CATI) durchgeführt werden. Dem Problem der abnehmenden Verbreitung von Festnetzanschlüssen wird dabei durch ein Dual-Frame-Verfahren Rechnung getragen, nach dem die Zufallsstichprobe zu 60 Prozent über Festnetz- und zu 40 Prozent über Mobiltelefonnummern rekrutiert wird. Eine Stichprobe von n = 1.000 Befragten wird die Repräsentativität der Ergebnisse sichern und grundlegende Vergleiche unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen erlauben (z. B. nach Altersgruppen, Geschlecht, formaler Bildung, neuen/alten Bundesländern, politischer Ausrichtung, genutzten Medien).

Kern des Fragebogens ist eine für die Publikumsperspektive adaptierte, international akzeptierte Batterie von Items, die unterschiedliche Facetten des journalistischen Rollenverständnisses repräsentieren. Diese wurde so auch von Steindl et al. (2017) verwendet, sodass die direkte Vergleichbarkeit mit ihrer repräsentativen Journalist*innen-Befragung gewährleistet ist.

Steindl, N., Lauerer, C., & Hanitzsch, T. (2017). Journalismus in Deutschland. Aktuelle Befunde zu Kontinuität und Wandel im deutschen Journalismus. Publizistik, 62(4), S. 401–423. https://doi.org/10.1007/s11616-017-0378-9

Infos zum Projekt

Überblick

Laufzeit: 2019-2019

Forschungsprogramm:
FP1 - Transformation öffentlicher Kommunikation

Drittmittelgeber

ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius

Kooperationspartner

Ansprechpartner

Prof. Dr. Wiebke Loosen
Senior Researcher Journalismusforschung

Prof. Dr. Wiebke Loosen

Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
Rothenbaumchaussee 36
20148 Hamburg

Tel. +49 (0)40 45 02 17 - 91
Fax +49 (0)40 45 02 17 - 77

w.loosen@hans-bredow-institut.de

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