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Forschungsprogramm 1: Transformation öffentlicher Kommunikation – Journalistische und intermediäre Funktionen im Prozess der Meinungsbildung

  • Wie stellt sich Journalismus auf die konvergente Medienumgebung ein?
  • Wie verändern sich Nachrichtennutzung und öffentliche Teilhabe?
  • Welchen Einfluss haben Informationsintermediäre auf Meinungsbildung und wie kann Regulierung darauf reagieren?

Ausgangspunkt des Forschungsprogramms 1 sind die durch die Digitalisierung der Medienproduktion, -distribution und -nutzung ausgelösten Transformationsprozesse der medienvermittelten öffentlichen Kommunikation. Sie haben Entgrenzungen zur Folge, die dazu führen, dass die aus Anbieter- und Nutzersicht, aber auch aus einer normativ-gesellschaftlichen Perspektive bislang relativ klar differenzierbaren Angebotstypen und Informationsfunktionen an Trennschärfe verlieren: Neben professionellen Journalismus und klassische Massenmedien treten neue Akteure, algorithmisch operierende Intermediäre sowie Nutzerinnen und Nutzer selbst, die sich zunehmend einflussreich an der Herstellung von Öffentlichkeit(en) beteiligen. Dies wirft die Frage auf, zu welchen Machtverschiebungen es hierbei in einem Kommunikationssystem kommt, dem in der Gesellschaft traditionell die Kernfunktion zukommt, Öffentlichkeit herzustellen und zur Meinungsbildung beizutragen. 

Das zentrale Erkenntnisinteresse des Forschungsprogramms besteht darin, besser zu verstehen, wie unter diesen Bedingungen, und ausgehandelt zwischen Anbietern und Nutzern, Öffentlichkeit hergestellt wird. Um diesen grundlegenden Zusammenhang untersuchen zu können, werden im Rahmen des Forschungsprogramms die Verschränkungen in den Blick genommen, die zwischen Informationsproduktion, Informationsangeboten und Informationsnutzung bestehen und aus denen sich Ansatzpunkte für eine Regulierung ableiten lassen, die die Informationsfunktionen der Medien absichern will.

Konkret wird untersucht, wie sich etablierte und neue Anbieter im Feld des Journalismus auf die sich zunehmend ausdifferenzierende Medien­umgebung und Mediennutzung, auf die Automatisierung und Algorithmisierung der eigenen Arbeitsprozesse, aber auch auf die Konkurrenz durch funktional äquivalente Leistungen nicht-journalistischer Dienste und Anbieter einstellen. Ziel ist die Entwicklung eines konzeptionellen, theoretischen und methodischen Rahmens, der die Abgrenzung „journalistisch-redaktioneller“ Angebote von sonstigen Kommunikationsangeboten erlaubt. Entsprechend wird im Hinblick auf die Mediennutzung untersucht, wie und mithilfe welcher kommunikativer Praktiken sich Menschen informieren und mit Öffentlichkeit(en) in Beziehung setzen. Hierbei stellt sich die Frage, welche Funktionen Intermediäre einerseits und journalistisch-redaktionelle Angebote andererseits im Informationsrepertoire unterschiedlicher Nutzergruppen erfüllen. 

Die gesellschaftliche Relevanz der so beobachtbaren Veränderungen ergibt sich unter anderem aus dem Einfluss, den medial vermittelte Kommunikation auf die Prozesse individueller und gesellschaftlicher Meinungsbildung hat bzw. haben kann. Für die Bestimmung unterschiedlicher Formen der Einflussnahme fehlt es derzeit aber an begrifflichen und konzeptionellen Grundlagen. So ist der Rechtsbegriff der „vorherrschenden Meinungsmacht“, auf den derzeit rundfunkrechtliche Vielfaltskontrolle aufbaut, bei näherer Betrachtung in allen Begriffsteilen unklar, etwa im Hinblick auf die Begriffsweite der „Meinung“ und die Frage nach der Art des Einflusses und seiner Vermittlung, aber auch in Bezug auf das Verständnis von „Meinungsbildungsprozessen“. Daher wird im Rahmen des Forschungsprogramms ein konzeptioneller Rahmen für medienbezogene Einflüsse auf Meinungsbildungsprozesse erarbeitet, der eine Grundlage dafür schafft, auf die beschriebenen Transformationen rechtlich zu reagieren.


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