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​14. Hamburger Mediensymposium: Über die Taktgeber des gesellschaftlichen Gesprächs

​14. Hamburger Mediensymposium: Über die Taktgeber des gesellschaftlichen Gesprächs

Gut 200 Expert*innen und Gäste kamen am 18. Juni in die Handelskammer Hamburg, um über die Taktgeber des gesellschaftlichen Gesprächs und die Herausforderungen der aktuellen Medienkommunikation zu diskutieren. Diskurse und Gruppen scheinen immer stärker auseinanderzudriften, gleichzeitig wird vom Journalismus erwartet, das gemeinsame gesellschaftliche Gespräch am Laufen zu halten. Das Symposium bot Raum, sich aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und medienpraktischen Perspektiven auszutauschen: Was passiert da eigentlich gerade? Wie reagieren Journalismus und andere Stakeholder auf die Veränderungen? Welche Erwartungen stellen wir an traditionelle Medienhäuser und soziale Medien? Und wie können Politik und Regulierung einen gemeinsamen Diskurs vielfältiger Stimmen absichern?

Moderiert wurde die Veranstaltung von PD Dr. Jan-Hinrik Schmidt (HBI) Nach einer Begrüßung durch Michaela Beck, Geschäftsführerin der Handelskammer Hamburg, und Eva-Maria Sommer, Direktorin der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH), folgten vier Impulse, die sich aus kommunikationswissenschaftlicher, medienrechtlicher, journalistischer und medienregulatorischer Perspektive mit den Veränderungen der öffentlichen Kommunikation befassten.

Jan Rau (FGZ Hamburg/HBI) sprach über Polarisierungsdynamiken und Kommunikationsstrategien rechter Akteure in sozialen Medien und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen anhand treffender nautischer Metaphern. Er erinnerte an den Untergang der Pamir in einem Sturm 1957: Der beladene Frachtsegler sank nicht aufgrund des Unwetters, sondern wurde von innen heraus zerrissen, als die Ladung mit enormer Wucht hin- und herschleuderte. Dieses Bild vor Augen gelte es nun Lösungen zu finden, um die digitale Demokratie seetüchtig zu machen – von innen heraus. Die vorhandene politische Energie müsse dazu in politische Partizipation kanalisiert werden und die (digitale) Öffentlichkeit einen Raum bieten, gesellschaftliche Missstände sichtbar und im konstruktiven Austausch bearbeitbar zu machen.

Prof. Dr. Eva Ellen Wagner (Juristische Fakultät, Universität Augsburg) erläuterte Herausforderungen aus Sicht der Medienregulierung und verwies darauf, dass der demokratische Diskurs sowohl konflikt- als auch verständigungsorientiert sein sollte: Resonante gesellschaftliche Kommunikation bestehe nicht nur aus harmonischen Gleichklängen.

Prof. Dr. Barbara Hans (Institut für Kultur- und Medienmanagement, Hochschule für Musik und Theater Hamburg) erläuterte die Veränderungen und Herausforderungen des Journalismus an dem Dreiklang aus sozialen Medien/Plattformen – Künstlicher Intelligenz – Mediennutzung. Die Entwicklungen in diesen drei Feldern beschrieb sie in einem "Beliebigkeits-Entbehrlichkeits-Zyklus": Jeder kann es (Beliebigkeit in der Distribution von Inhalten), die Maschine kann es besser (Entbehrlichkeit in der Produktion von Inhalten) und keiner will es (Gleichgültigkeit/Ablehnung der Rezeption von Inhalten). Diese Spirale führe zu einer Fragmentierung der Diskurse und einem wenig resilienten Umgang mit Krisen. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, müsse auch eine politische Debatte über die Folgen sinkender Legitimation des klassischen Journalismus geführt und über alternative Finanzierungsmodelle gesprochen werden. Denn der Journalismus und die demokratische Gesellschaft können mit Dissonanz und Resonanz umgehen, die wirkliche Herausforderung bestehe in der Ignoranz.

Eva-Maria Sommer verwies auf die Arbeit der Landesmedienanstalten im Kampf gegen Hass und Hetze im Netz: Die MA HSH habe im vergangenen Jahr 5.000 Inhalte geprüft und zur Verfolgung gebracht. Gemeinsam mit weiteren Medienanstalten habe man seit dem Angriff der Hamas auf Israel zudem rund 1.300 Rechtsverstöße an die EU gemeldet. Das sei nur ein "Tropfen auf dem heißen Stein", so Sommer, "doch auch der kann dampfen".

Im zweiten Teil der Veranstaltung moderierte Anna von Garmissen (HBI) ein Gespräch zwischen Politikberater Martin Fuchs, Vanessa Bitter (dpa, #UseTheNews), NDR-Landesfunkhausdirektor Hendrik Lünenborg und Tim Klaws (Public Policy and Government Relations Expert, TikTok). Deutlich wurde auch hier, dass es keine einfachen Lösungen gibt: Das Spannungsfeld zwischen Meinungsfreiheit und Empörungsspirale, fragmentierten Teilöffentlichkeiten, Informationsfluten und sich selbst verstärkenden Spaltungstendenzen wird immer komplexer. Potenzial, das noch zu wenig genutzt wird, um den öffentlichen Kommunikationsraum wieder freundlicher, relevanter und vielfältiger zu gestalten, liegt nach Ansicht des Panels in der – generationenübergreifenden (!) – Stärkung der Medienkompetenz, einer besseren Vernetzung von Akteuren, die für eine demokratische und vielfältige Gesellschaft eintreten, sowie im Dialog und in konkreten Begegnungen mit Bürger*innen.

Das 14. Hamburger Mediensymposium wurde veranstaltet vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI), dem Standort Hamburg des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) und der Handelskammer Hamburg. Das Symposium wurde von TIDE – Hamburgs Bürger:innensender und Ausbildungskanal aufgezeichnet und wird Anfang Juli im Programm des Senders ausgestrahlt (Daten folgen). Die Aufzeichnungen der Vorträge und des Panels werden nach der Ausstrahlung über den YouTube-Kanal von TIDE verfügbar sein.
 
Zum Programm der Veranstaltung
 
Foto: Handelskammer Hamburg/Ulrich Perrey; auf dem Podium v.l. Anna von Garmissen, Tim Klaws, Hendrik Lünenborg, Vanessa Bitter und Martin Fuchs

(Hamburg, 24. Juni 2024)

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