Veranstaltungstipp: Medien als außerschulische Lernorte

Vortrag, Präsentation und Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe SCHULE IM DIALOG am 9. Juni 2010, 19 Uhr, im Lichthof der Staats- u. Universitätsbibliothek Hamburg (Flyer als pdf)

Programm

Welchen Beitrag leisten die Medien in der heutigen Informationsgesellschaft für die Bildung? Welches Wissen, welche Werte vermitteln sie und wie können Eltern, Schüler und Lehrer von diesem Wissen profitieren? Welche Chancen und Abhängigkeiten bieten die Medien? Welche Bildungschancen bietet das Internet? Wie begegnet man den Gefahren der digitalisierten Informationsgesellschaft?

Diese und ähnliche Fragen standen im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Uwe Hasebrink, Direktor des Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg und Mitglied des International Board of “Journal of Children and Media”.

In der anschließenden Präsentation und Podiumsdiskussion, an der Experten für Medienpädagogik und Vertreter der Medien teilnahmen, hatten die Besucher Gelegenheit, Planer, Entscheider und Gestalter der tonangebenden und richtungsweisenden Lernorte in den Medien zu treffen. Eltern lernten die "Lehrer" ihres Kindes kennen, die sie nicht in der Schule treffen. Lehrer lernten die Pädagogen ihrer Schüler kennen, die nicht zu ihrem Kollegium zählen.

Kinder und Jugendliche kennen und nutzen Medien schon heute ganz selbstverständlich. Sie finden vieles "cool", verbringen Stunden damit, tauschen ihre Interessen und Erlebnisse intensiv aus. Medien beeinflussen ihre Meinung, liefern Gesprächs- und Konfliktstoff, prägen ihr Weltbild, das neben der Schule Grundlagen für Wissen, Bildung und Zukunftschancen formt. Eltern wie Lehrer haben oft nur eine ungefähre Vorstellung, wo, wie und welches Wissen sich Kinder und Jugendliche außerhalb der Schule verschaffen, kennen selten die Medien, TV und Radio-Sendungen, Web-Sites, Zeitschriften, Netzwerke etc., die in und außerhalb der Schule angesagt sind.

In seinem Vortrag ging Prof. Hasebrink von der These aus, dass keine der früheren Autoritäten - weder Schule noch Medien - weiterhin das Monopol auf Wissen und Wissensvermittlung besitzen, gemäß dem Motto: „Keiner weiß alles, aber jeder weiß etwas“. Dabei ging es ihm insbesondere um die Wechselwirkungen zwischen Schule und Medien und darum, welche Rolle die Medien, bzw. bestimmte Medienangebote, als außerschulische Lernorte einnehmen.

Mit der Präsentation ihrer Beiträge zur Wissensvermittlung und ihren konkreten Lernangeboten zu Bildung und Wissenschaft boten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einen Überblick über ein vielfältiges mediales Spektrum. Es ging darum, gemeinsam zum Thema "Lernort Medien" Position zu beziehen. In der Diskussion und im Dialog mit den Besuchern wurden die Möglichkeiten, Chancen und Bedingungen erörtert, wie alle Beteiligten den rasch wechselnden Herausforderungen der Informationsgesellschaft gerecht werden können. Mit dem Ziel, künftig intensiver zusammenzuarbeiten und sich den jeweiligen Bedürfnissen zu öffnen.

 

Weitere Informationen unter: www.schule-im-dialog.de und www.sub.uni-hamburg.de/blog/?cat=9.

Veranstalter: SCHULE IM DIALOG gUG - Initiative zur Förderung des Dialogs in Schule und Gesellschaft in Kooperation mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg

Programm

Begrüßung

Prof.Dr. Gabriele Beger, Direktorin. Staats- u. Universitätsbibliothek, Hamburg

Vortrag

Prof. Dr. Uwe Hasebrink, Direktor des Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg.

Kernziel der Forschung des Instituts ist es, die Einflüsse der Medien zu verstehen, Entwicklungen und Risiken abzuschätzen und Handlungsoptionen zu entwickeln. Dabei vertritt das Institut, das zu den renommiertesten Fachinstituten Deutschlands zählt, eine unabhängige Position, forscht interdisziplinär und bearbeitet international vergleichende Fragestellungen.

Präsentation medialer Bilderungsangebote

  • Institut für Erziehungswissenschaft, Pädagogische Psychologie, TU Berlin: Prof. Dr. Angela Ittel

    Medienpräsenz und Öffentlichkeitsarbeit von Schulen. Die Anforderungen an die Kommunikation von Schulen in einer veränderten Schullandschaft mit zunehmendem Wettbewerbsdruck. Antworten auf die Herausforderung, sich und die Arbeit der Schule vermehrt darstellen zu müssen, um genügend Schülerinnen und Schüler anzuwerben. Ergebnisse der bundesweiten Expertenstudie „Schulen im Gespräch”.

  • Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein Dr. Thomas Voß, Bereichsleiter Programm und Medienkompetenz

    Interessenvertretung der Allgemeinheit gegenüber Programmanbietern und Plattformbetreibern von audiovisuellen elektronischen Medien, nach den gesetzlich vorgesehenen Zulassungsbestimmungen und Aufsichtsfunktionen. Medienkompetenzförderung aus der Sicht der Regulierungsbehörde für den privaten Rundfunk in Hamburg und Schleswig-Holstein. Wahrung inhaltlicher Standards, insbesondere für den Jugendmedienschutz und für die Werbung in privaten Programmen und Teleme-dien im Interesse der Allgemeinheit.

  • Bayerischer Rundfunk, Bildungsprojekte, Stiftung Zuhören Marion Glück-Levi, M.A., Ltg. Bildungsprojekte, Ltg. Hauptabteilung Familie und Gesellschaft, Vorsitzende des Vorstands der „Stiftung Zuhören“, Stellvertr. Vorsitzende Landesvereinigung Kulturelle Bildung Bayern e.V Wahrnehmung fördern – Wirklichkeit entdecken – Welt gestalten.

    Wer sich unterhalten will, muss zuhören können. Wer etwas lernen will, muss zuhören können. Wer Neues verstehen will, muss zuhören können. Zuhören heißt, sich zu konzentrieren, sich auf ein Gegenüber einzulassen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Wer zuhört, erweitert seinen Horizont, eröffnet sich neue Welten und gewinnt Einblick in das Denken anderer Menschen. Zuhören hilft bei der Lösung von Konflikten, fördert den zwischenmenschlichen Dialog und belebt den gesellschaftlichen Austausch.

  • Schulen ans Netz e.V. Gerhard Seiler, Mitglied Geschäftsführung, Projektleiter: „Lernen mit digitalen Medien“ / “BIBER” - Netzwerk für die frühkindliche Bildung / “Blended Learning” - Weiterbildungen für Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher / “E-Twinning“ - Schulpartnerschaften in Europa.

    Offenheit für neue Lernformen und mehr Freiheit für Schulen bei der Nutzung von digitalen Medien. In ganzheitlichen Konzepten Schule einfach anders denken. Prak-tische Umsetzungen auf der Basis von Internetplattformen mit konkreten Angeboten von Inhalten für Lehrkräfte und Schüler bei der Nutzung digitaler Medien im Unterricht.

  •  WDR Westdeutscher Rundfunk, Programmgruppe Wissenschaft, Thomas Hallet, Leiter Programmgruppe Wissenschaft, „Quarks & Co."/"Kopfball" / „W wie Wissen" / WDR Wissenschaftssendungen 3SAT, ARTE.

    Spannende Wissensthemen halten sich manchmal nicht an Curricula, sondern häufig leider an die Realität: Oft sind sie nämlich interdisziplinär und häufig werden sie für Schüler dann relevant, wenn aktuelle Ereignisse bestimmte Fragen aufwerfen. Ich habe nicht den Eindruck, dass Schulen die Chancen akuter Neugierde ausreichend nutzen. Auch bei der Aneignung von Wissen wird meines Erachtens Potenzial verschenkt: Viele Schüler missachten Lehrbücher und könnten vielschichtige Themen vielleicht am besten multimedial entdecken. Brauchen wir neue Bildungspartnerschaften, die dafür sorgen, dass besserer "Content" an die Schulen kommt?

  • STERN Magazin Catrin Boldebuck, Ltg. Redaktion Politik u. Bildung, Hamburg

    Lehrer haben einen der schönsten und wichtigsten Berufe. Sie formen junge Menschen. Sie stoßen ihnen das Tor zu neuen Welten auf. Sie entscheiden ob Primzahlen schillern oder Angst einjagen, Hannibals Feldzug zum Abenteuer-Trip wird oder eine verstaubte Legende bleibt. Lehrer haben einen anstrengenden Job. Es ist keine leichte Aufgabe, 25 bis 30 Kinder einzeln zu fördern, alle 45 Minuten vor eine neue Klasse hin zu treten. Lehrer machen nicht irgendeinen Job wie in der Schraubenfabrik. Sie haben viel Verantwortung. Denn Lehrer verteilen Chancen: Sie entscheiden, wer Abitur macht, wer es zu etwas bringt und wer nicht. Das kann nicht jeder. Auf Bildungsreise durch Deutschlands Schulen offenbart das zentrale Problem: In Deutschland baut Bildung keine Brücken, sondern vertieft soziale Gräben. Aber in Deutschland kann jeder Lehrer werden, der ein mittelmäßiges Abitur hat. Für ein Viertel der angehenden Pädagogen ist der Beruf nur eine Verlegenheitslösung. Deshalb: Holt die Elite in die Klassenzimmer.

  • NDR Norddeutscher Rundfunk Angelika Paetow, Ltg. Programmgruppe Familie u. Kinder, NDR

    Kinder achten bei ihrer Programmauswahl nicht darauf, ob die Sendungen auch für sie gemacht wurden. Man muß sie locken mit, Programmen, wie z.B. den Geschichten aus der Sesamstraße, die für sie attraktiv sind – aber so gemacht, dass sie sie verarbeiten können. Wir zeigen z.B. in unseren Serien, “Die Pfefferkörner” und “Alleingegen die Zeit”, was die Gewalt auslöst und geben den Kindern ein Gefühl dafür, wo sie hinführt und was sie bedeutet . Vor den Bildschirmen werden die Zuschauer mit den Akteuren zittern. Auch das hat einen Lerneffekt. Man braucht Angst, um Mut zu entwickeln. Die Identifikation mit einer Figur gibt uns die Möglichkeit, alle Variationen des Lebens auszuloten.

  • DeinSPIEGEL, Hamburg Ansbert Kneip, Chef-Redakteur

    "Kinder und Politik? Das passt nicht zusammen, glauben viele Erwachsene. Sie denken, Kindern wäre es egal, wer Bundeskanzler wird. Und was in Afghanistan oder Somalia passiert, wäre für Kinder zu weit weg und damit uninteressant. Wir glauben: Das ist Quatsch. Kinder stellen viele Fragen. Und sie verdienen ernsthafte Antworten. In "Dein SPIEGEL" sollen Kinder finden, was ihre Eltern aus dem SPIEGEL für Erwachsene kennen." "Dein SPIEGEL" ist ein Nachrichtenmagazin für Kinder aus dem SPIEGEL-Verlag. Es erscheint monatlich, richtet sich an Kinder zwischen acht und 13 Jahren und bietet News aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport sowie aus Natur und Technik. Das Magazin bereitet aktuelle Themen kindgerecht auf: Afghanistan, Atomkraft, Finanzkrise. Es stellt neue Filme vor, berichtet über wissenschaftliche Erkenntnisse zum Beispiel über Tutanchamun oder beschreibt das Leben von Kindern, die in Südafrika Straßenfußball spielen. Unterstütz wird die Redaktion von Kinderreportern, die Sportler oder Politiker interviewen: SPD-Chef Gabriel, Verteidigungsminister zu Guttenberg oder den Kapitän der Nationalelf, Philipp Lahm.

  • BBS - Behörde für Schule und Berufsbildung, Hamburg Arthur Gottwald, Ltg. Referat Schule und Medien

    "Medien wirken tief und sehr vielschichtig in unsere Gesellschaft hinein. Sie sind Bestandteil unseres täglichen Lebens. Für Schülerinnen und Schüler sind das schulische Alltagsleben und das außerschulische Leben keine getrennten Lebensbereiche, sie verschmelzen zu einem Tagesablauf. Medien sind deshalb in der Schule vielfältig präsent. Mal sind sie unmittelbar Bestandteil und Inhalt von Lernprozessen, mal sind sie Werkzeuge, um Kompetenzen für andere Bereiche zu entwicklen. Auch das schulische Alltagsleben hat sich verändert, neue Lernformen werden den Unterricht der Zukunft stärker bestimmen. Sie bieten Chancen für alle, wenn Lernprozesse zunehmend individualisiert stattfinden. Dafür bieten heutige Medien große Chancen. Damit sie in die Klassenräume kommen, hat Hamburg viel investiert, indem die Schulen mit schnellen Netzen an das Internet angeschlossen und alle Klassenräume vernetzt werden. Es gibt kein "Außen" und "Innen" mehr."