Tipp: "Internet-Nicht-Nutzung" auf der Re:publica 14

Session mit 5 Internetforscherinnen, darunter Nele Heise und PD Dr. Wiebke Loosen vom Hans-Bredow-Institut, unter dem Titel “'Into the Wild? Nicht mit mir!' – Warum Menschen das Netz (oder Teile davon) nicht nutzen", Donnerstag, 8. Mai 2014, 15:00 bis 16:00 Uhr, in der STATION-Berlin in Berlin-Kreuzberg, Luckenwalder Str. 4–6, 10963 Berlin, mehr auf der Seite der re:publica

Auch wenn “das Internet” heute weit verbreitet ist und viele Zugangsbarrieren wegfallen gibt es nach wie vor Menschen, die einzelne Dienste oder das Netz insgesamt nicht nutzen. Dabei spielen nicht nur Faktoren wie Alter oder Bildung eine Rolle: Es geht auch um die ganz bewusste Entscheidung zur Nichtnutzung – über deren Ursachen und Folgen sollten wir mehr forschen und vor allem reden. Während lange vom “digital divide” die Rede war, d. h. Unterschieden im Internet-Zugang, beschäftigt man sich heute verstärkt mit “digital inequality”, also digitaler Ungleichheit: Woran liegt es, dass Menschen das Internet in unterschiedlichem Maße oder gar nicht nutzen? Welche konkreten Barrieren stellen sich den AnwenderInnen? Auf welche Ursachen und Randbedingungen lässt sich dies zurückführen?

Wir, fünf Sozialwissenschaftlerinnen, beschäftigten uns aus ganz verschiedenen Blickwinkeln mit diesen Fragen und haben im Rahmen der diesjährigen re:publica Ergebnisse unserer Forschung vor- und zur Diskussion gestellt:

  • Cindy Roitsch untersucht mittels qualitativer Interviews die Nichtnutzung jüngerer (16-30 Jahre) und älterer Menschen (ab 60 Jahre). Ihre Forschung zeigt Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen beiden Mediengenerationen und wirft damit die Frage auf, inwiefern eine Unterscheidung zwischen “digital natives” und “digital immigrants” für eine Diskussion über Internetnutzung überhaupt fruchtbar ist.
  • Ulrike Roth analysiert die Internetnutzung in heterosexuellen Paarbeziehungen und fragt, wie die Internetnutzung mit der Konstruktion von Geschlecht  verknüpft ist. Insbesondere geht es dabei um die Frage, ob Geschlecht ein Faktor ist, der in Paarbeziehungen zu verschiedenen Arten der Internetnutzung und damit zu digitalen Ungleichheiten führt.
  • Juliane Kirchner beschäftigt sich mit der bewussten Entscheidung zur Nichtnutzung bzw. Abwendung von onlinebasierten sozialen Netzwerken. Dabei stellt sich auch die Frage, inwiefern uns in einem zunehmend von Medien geprägten Alltag medienfreie Räume bzw. der Verzicht von Medien überhaupt möglich sind - und welche (sozialen) Folgen dies für den Einzelnen hat.
  • Wiebke Loosen präsentierte Ergebnisse zur Frage, warum UserInnen Online-Beteiligungsformen im Journalismus nicht nutzen. Über Befragungen bei vier Medienangeboten (u. a. Tagesschau, SZ) fand sie Hinweise auf zwei zentrale Beteiligungsbarrieren (Registrierungspflicht, Zeit-Aufwand), aber auch Unterschiede, die u. a. von bestimmten Merkmalen der NutzerInnen (z. B. Alter, Bildung) abhängig sind.

Im Anschluss an die jeweils ca. fünfminütigen Impulsvorträge wurde darüber diskutiert, was es bedeutet, wenn sich Teile der Gesellschaft (ganz bewusst) nicht am Internet oder einzelnen Diensten beteiligen. Welche gesellschaftlichen Folgen hat die Nicht-Nutzung, z. B. im Kontext demokratischer Willens- und Meinungsbildungsprozesse? Und falls wir darin übereinstimmen, dass jeder das Netz nutzen (können) sollte: Was können wir für die Nicht-NutzerInnen tun?

Durch die Session führte Nele Heise, die selbst zu diesem Thema forscht und auf der re:publica13 einen Workshop zu "Code Literacy" veranstaltete. Zu Beginn der Session hat sie eine kurze Einführung (u. a. mit aktuellen Zahlen zur Internet-Nichtnutzung in D) in das Thema gegeben.