Personal Branding im Journalismus

Das Promotionsvorhaben untersucht, mittels welcher Strategien Journalistinnen und Journalisten ihre eigene Marke im Journalismus aufbauen und (weiter-)führen. Es wird betreut von Prof. Dr. Klaus Meier von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sowie Prof. Dr. Frank Lobigs von der Technischen Universität Dortmund, an der das Promotionsvorhaben auch angesiedelt ist.

Durch soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, Suchmaschinen wie Google und Entwicklungen hin zu mehr (Akteurs-)Transparenz im (Online-)Journalismus (z. B. Vorstellung der Redaktionsmitglieder inklusive Foto, Werdegang und Liste bisheriger Beiträge) sind einzelne Journalistinnen und Journalisten selbst sowie ihre Arbeitsprozesse und -ergebnisse, Expertise, Spezialisierung usw. für Publikum und journalistische Akteure „sichtbarer“ geworden, als es noch in Zeiten traditioneller Massenmedien üblich und möglich war. Gepaart mit einer (ebenfalls durch vernetzte digitale Medien beförderten) Diversifizierung von Publikumsinteressen und -ansprüchen, zunehmend prekären Beschäftigungsverhältnissen im Journalismus (etwa der steigenden Zahl freier Mitarbeiter(innen)) und der Suche nach neuen Strategien zum Wiederaufbau verlorenen Vertrauens und zur Absatzförderung (etwa durch explizite Darstellung der Expertise journalistischer Akteure) führt dies nicht nur zu neuen Möglichkeiten, sondern auch zu einem gestiegenen Druck auf freie und auch angestellte Journalisten, sich abseits von oder ergänzend zu den Redaktionen, für die sie arbeiten, selbst als Marken zu positionieren.

Vor diesem Hintergrund wird zunächst dargelegt, wie diese Entwicklungen eine Verschiebung von Medien- bzw. Redaktionsmarken hin zu Marken einzelner Journalistinnen und Journalisten begünstigen oder gar erfordern und wie Journalisten-Marken sowie die Strategien ihres Aufbaus und ihrer Führung theoretisch sinnvoll erfasst werden können. Auf Basis von Leitfaden-Interviews mit Journalistinnen und Journalisten in unterschiedlichen Stadien der Markenbildung werden anschließend die konkreten Markenführungsstrategien empirisch untersucht, zu denen u. a. Formen der Spezialisierung oder Generalisierung in Bezug auf Themen, Sachwissen, Verbreitungsmedien, Berichterstattungsmuster, Darstellungsformen, politische Orientierung, Spezial- und Managementkompetenzen usw. zählen, aber auch die Netzwerkbildung mit anderen journalistischen Akteuren und Organisationen, Quellen, potenziellen Protagonisten der Berichterstattung, Publikumsmitgliedern usw. sowie die Praktiken, mit denen diese Facetten der eigenen Marke bewusst in Szene gesetzt und kommuniziert werden.

Folge 10 des BredowCast berichtet über dieses Dissertationsprojekt.

Publikationen

  • Reimer, J. (2017): Vertrauen durch Transparenz? Potentiale und Probleme journalistischer Selbstoffenbarung. In: Institut für Praktische Journalismusforschung (Hrsg.), Öffentliches Vertrauen und Web 2.0. Köln: Herbert von Halem (im Erscheinen).

Vorträge

  • "The Journalist Turned Brand: How Reporters Build Their Profiles through Personal Branding", Vortrag von J. Reimer im Rahmen der "6th European Communication Conference" (ECC 2016) der European Communication Research and Education Association (ECREA) am 11. November 2016 in Prag, Tchechische Republik.

  • "Personal Branding im Journalismus", Vortrag von J. Reimer im Rahmen der Vorlesung "Medienmarken" von Prof. Dr. Gabriele Siegert am 25. Mai 2016 am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) der Universität Zürich.

  • "Die wachsende Bedeutung einzelner Journalistinnen und ihre Implikationen für die Erforschung des Journalismuswandels", Vortrag von J. Reimer im Rahmen des Symposiums "Change in Journalism" am 18. September 2015 im Schloss Herrenhausen in Hannover.

  • "Personal Branding in Journalism: Theory and Systematization of a Recent Trend", Vortrag von J. Reimer auf der 5th European Communication Conference (ECREA) am 13. November 2014 in Lissabon, Portugal.

  • "Der Freiberufler als Marke am Beispiel des Journalisten", Vortrag von J. Reimer im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Freiberuflich in Kultur & Medien" der tu>startup Entrepreneurship School der Technischen Universität Dortmund am 22. Januar 2014 in Dortmund.

Ansprechpartner

Julius Reimer, M. A.

Hans-Bredow-Institut
Rothenbaumchaussee 36
20148 Hamburg

Tel.: (+49 40) 45 02 17 88

E-Mail