Digitale Audiostifte: Rolle und Nutzung in der Familie

Digitale Audiostifte: Spielzeug oder Lernhilfe?

Digitale Audiostifte wie Tiptoi oder TING sind für Kinder und Eltern mehr Spielzeug als pädagogisches Mittel. Sobald die Kinder lesen lernen, verlieren die Stifte an Bedeutung. Marcel Rechlitz und Claudia Lampert haben in einer qualitativen Studie erstmals untersucht, welches Potenzial die Stifte für die Lese- und Sprachförderung bieten.

Seit 2010 sind digitale Audiostifte verschiedener Anbieter (Tiptoi von Ravensburger und TING) auf dem deutschen Markt erhältlich. Die Stifte können auf Papier hinterlegte optische Informationen auslesen und in Audiosignale (z. B. Texte oder Geräusche) umwandeln. Damit eröffnen sie vor allem jüngeren Kindern, die noch nicht lesen können, neue Möglichkeiten über die klassische Büchernutzung hinaus. In einer ersten explorativen Studie haben Marcel Rechlitz und Claudia Lampert sechs Kinder und deren Eltern befragt, wie sie digitale Audiostifte nutzen und welche Rolle die Geräte beim Lesen in der Familie spielen. Die Ergebnisse zeigen, dass das Potenzial für die Lese- und Sprachförderung noch nicht ausgeschöpft ist. Vor allem in Familien, in denen die Kinder wenig Unterstützung beim Lesenlernen bekommen, könnten die Audiostifte den Kindern helfen.

Wissenschaftliche Details

Zwischen September 2015 und Januar 2016 wurden sechs qualitative Leitfadeninterviews (inkl. teilnehmender Beobachtung) mit Kindern im Vor- und Grundschulalter sowie mit je einem Elternteil durchgeführt. Die Rekrutierung erfolgte über Aushänge und direkte Ansprache. Ergänzend fanden Experteninterviews mit drei Pädagoginnen und einer Vertreterin einer Kinderbibliothek statt. Die Gespräche wurden transkribiert und unter Verwendung von MAXQDA11 ausgewertet.

Die Kinder und Eltern wurden gefragt, wie sie digitale Audiostifte nutzen und welche Rolle die Geräte beim Lesen in der Familie spielen. In den Kinderinterviews standen die Nutzungsweise, Vorlieben und mögliche Schwierigkeiten im Mittelpunkt. Die Eltern sprachen über Anschaffungsgründe und Nutzungshäufigkeit und beschrieben ihre Einschätzung der Geräte in Bezug auf Lesen, Lernen und Spielen. Experteninterviews mit zwei Pädagoginnen und einer Bibliothekarin ergänzten die Ergebnisse um eine fachliche Einschätzung der Stifte in Bezug auf das Lesenlernen.

Derzeit sind mit Tiptoi von Ravensburger und dem TING-Hörstift zwei ähnliche Produkte auf den deutschen Markt vertreten. In fünf der befragten Familien wurde Tiptoi genutzt, in einer Familie TING. Die Kinder wurden im Rahmen der Interviews gebeten, zunächst Bücher mit dem ihnen bekannten Stift und im Anschluss das jeweils andere System zu nutzen.

Die Ergebnisse geben erste Anhaltspunkte, dass sie Stifte eher als spielerische Ergänzung zu den Büchern wahrgenommen wird und verweisen darauf, dass das Potenzial der Audio-Stifte für die Lese- und Sprachförderung noch nicht ausgeschöpft wird. Gerade für Kinder, die in der Familie wenig Unterstützung beim Lesenlernen bekommen, könnten die Stifte ein hilfreiches Instrument sein, um sich Texte selbständig zu erschließen. Grundsätzlich stehen die befragten Eltern den Stiften positiv gegenüber und schätzen an ihnen, dass die Kinder mit Büchern (oder Spielen) beschäftigen und nicht mit Bildschirmmedien. Da sie die Audiostifte in erster Linie als Spielzeug sehen, besteht aus ihrer Sicht auch kein Regelungsbedarf in Bezug auf die Inhalt oder die Nutzungsdauer.

Publikationen

  • Rechlitz, M.; Lampert, C.; unter Mitarbeit von S. Maaß und K. Stomberg (2016): Digitale Audiostifte in der Familie  – eine explorative Studie. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, März 2016 (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-instituts Nr. 37) (pdf-Datei).