Akzeptanz, Nutzung und Weiterentwicklung technischer Jugendschutzinstrumente

Jugendschutzsoftware: Theoretisch nützlich, praktisch ungenutzt

Warum entscheiden sich Eltern für oder gegen technische Jugendschutzprogramme? Viele wissen zu wenig über die Funktionen und Einsatzmöglichkeiten, sind unsicher bei der Installation der Software oder setzen mehr auf Vertrauen als auf Kontrolle. Dies sind Ergebnisse einer qualitativen Studie, die Eltern nach der Rolle technischer Hilfsmittel und den Hindernissen für deren Nutzung im Medienerziehungsalltag befragte.

Viele Eltern wissen um die Existenz von Jugendschutzsoftware, nur wenige von ihnen haben aber bisher Erfahrungen mit deren Nutzung gemacht – so ein Befund des Hans-Bredow-Instituts aus früheren quantitativen Studien. Zwar wurden in diesen Studien die Gründe erfasst, aus denen Eltern eine Jugendschutzsoftware einsetzen, doch blieb die Frage offen, warum technische Hilfsmittel in den meisten Familien nicht eingesetzt werden. Dieser Frage gingen Marcel Rechlitz und Claudia Lampert in einer  vom Bundesfamilienministerium geförderten qualitativen Studie nach. Hierzu befragten sie 40 Eltern von Kindern zwischen sechs und sechzehn Jahren zu ihrer Medienerziehung, der Mediennutzung ihrer Kinder, zu ihrer Haltung gegenüber dem Jugendmedienschutz sowie zur Nutzung von Softwarelösungen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich die Eltern den Einsatz technischer Programme durchaus vorstellen können, sich jedoch aus pädagogischen, technischen oder medienbezogenen Gründen dagegen entscheiden. Einige Eltern möchten ihre Medienerziehung auf Vertrauen stützen und weniger auf Kontrolle, andere fühlen sich den technischen Anforderungen der Programme nicht gewachsen oder wissen zu wenig über die technischen Möglichkeiten und konkrete Software-Produkte.

Wissenschaftliche Details

Die Studie ist Teil des durch das BMFSFJ geförderten Projekts „Jugendmedienschutz und Medienerziehung in digitalen Medienumgebungen“ (LINK).

Im Zeitraum zwischen März und Juli 2014 wurden 40 leitfadengestützte Interviews mit Eltern von Kindern zwischen sechs und 16 Jahren geführt. Die Gespräche wurden unter Verwendung der Analysesoftware MAXQDA11 ausgewertet.

Im Mittelpunkt der qualitativen Studie stand die Frage, warum Eltern auf den Einsatz einer Jugendschutzsoftware auf dem PC oder anderen onlinefähigen Geräten verzichten. Hierzu wurden 40 Eltern von Kindern zwischen sechs und sechzehn Jahren zu ihrer Medienerziehung, der Mediennutzung ihrer Kinder und zu ihrer Haltung gegenüber dem Jugendmedienschutz sowie zur Nutzung von Softwarelösungen befragt. Die Ergebnisse der Studie liefern Antworten auf die Fragen, wie die Eltern zu Jugendschutzsoftware stehen, welche Erwartungen sie an sie richten, warum sie sie (nicht) einsetzen und wie sie sie in den Familienalltag integrieren

Die Ergebnisse wurden in dem Arbeitspapier des Hans-Bredow-Instituts Nr. 33 dokumentiert:

Marcel Rechlitz / Claudia Lampert, unter Mitarbeit von Sebastian Adrian, Stephan Dreyer & Uwe Hasebrink (2015): Jugendschutzsoftware im Erziehungsalltag. Akzeptanz und Einsatz technischer Hilfsmittel in der elterlichen Medienerziehung. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, Februar 2015 (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts Nr. 33), ISBN 978-3-87296-130-3, Schutzgebühr für Printversion EUR 20,--

Vorträge

  • "Jugendmedienschutz aus Elternsicht: Akzeptanz, Ablehnung, Anregung", Vortrag von M. Rechlitz sowie Teilnahme an der Podiumsdiskussion im Rahmen der 3. Netzwerktagung Medienkompetenz am 29. September in Halle.