„Fernseh-Erinnerungen“. Eine Untersuchung subjektiv wahrgenommener Medienwirkungen auf Repräsentationen vom Holocaust

Beeinflusst das Fernsehen die Art und Weise, wie geschichtliche Ereignisse erinnert werden? In ihrem Dissertationsprojekt hat Juliane Finger am Beispiel von Fernsehdarstellungen des Holocaust einen Ansatz zur Untersuchung langfristiger Medienwirkungen entwickelt.

Im Alltag sehen Personen nicht nur einen Fernsehfilm oder lesen nicht nur einen Zeitungsartikel, sondern sie kommen immer wieder in Kontakt mit Darstellungen von bedeutsamen Themen oder Ereignissen. Die Frage nach langfristigen Wirkungen alltäglicher Mediennutzung ist daher wichtig, aber wissenschaftlich bislang nur wenig untersucht. In der Dissertation von Juliane Finger wurde ein Ansatz zur Untersuchung langfristiger Medienwirkungen entwickelt, bei dem Medienwirkungen aus der heutigen, subjektiven Perspektive der Mediennutzer rekonstruiert werden. Der Ansatz wurde am Beispiel der Wirkung von Fernsehdarstellungen des Holocaust auf mentale und kollektive Repräsentationen (= das Wissen, die Erinnerungen und die Emotionen der Nutzer) angewendet.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Fernsehen ein wichtiger Einflussfaktor im Kontext weiterer zentraler Einflüsse wie Familie, Schule oder Gedenkstättenbesuche ist. Beispielsweise erweitern Nutzer über Fernsehdokumentationen kontinuierlich das eigene Wissen, oder es gibt Schlüsselerlebnisse, welche nachhaltig ihre Auseinandersetzung mit dem Holocaust beeinflussen. Allerdings verliert das Fernsehen für die jüngeren Generationen tendenziell an seiner zentralen Bedeutung. Hieraus ergeben sich Implikationen für die zukünftige Vermittlung des Themas Holocaust über das Fernsehen.

Publikationen

  • Finger, J. (2010): Vorstellung des Dissertationsvorhabens „Den Holocaust fernsehen. Eine qualitative Studie zur Bedeutung des Fernsehens für die langfristige Herausbildung von Einstellungen zum Holocaust.“ In: Rundfunk und Geschichte, Vol. 1/2, S. 47-48.

  • Finger, J.; Wagner, H.-U. (2014): Was bleibt von fernsehjournalistischen Darstellungen des Holocaust? Ein integrativer Ansatz zur empirischen Verknüpfung von Journalisten- und Rezipientenperspektive. In: W. Loosen, M. Dohle (Hrsg.), Journalismus und (sein) Publikum. Schnittstellen zwischen Journalismusforschung und Rezeptions- und Wirkungsforschung. Wiesbaden: Springer VS, S. 335-355.

Ansprechpartner

Dipl.-Psych. Juliane Finger

Graduate School Media and Communication
Rothenbaumchaussee 36
20148 Hamburg

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